11.04.2016

Die Angst vor multiresistenten Keimen

Dr. med. Eichhorn (Obersarzt der Klinik Nordfriesland) hält Vortrag auf Hygieneforum 2016

Bereits zum achten Mal fand am 3. März 2016 das Hygieneforum in Neumünster vor Fachpublikum aus ganz Schleswig-Holstein statt. Das diesjährige Motto lautete "Aktuelles aus der Krankenhaushygiene: ZDF - Zahlen – Daten - Fakten". Als Referent trat auch Herr Dr. med. Andreas Eichhorn aus der Klinik Nordfriesland auf.

Sein Vortrag stand unter dem Titel: „MRGN und VRE in Rehabilitationskliniken“. Multiresistente Erreger (MRE), also solche, die nicht oder nur sehr schwer mit Antibiotika behandelt werden können, verbreiten seit einigen Jahren Angst und Schrecken in Gesundheitseinrichtungen jeglicher Art. Dr. Eichhorn hat sich dieser Thematik angenommen und mit seinem Vortrag sowohl Aufklärung betrieben, als auch Handlungsempfehlungen zum Umgang mit zwei wichtigen Gruppen von MRE (MRGN und VRE) gegeben.

Zunächst sollte betont werden, dass für gesunde Menschen mit einem normal ausgeprägten Immunsystem keine persönliche Gefährdung besteht, aber auch sie können diese Erreger weiter verbreiten. Daher sind je nach Besiedlungsort der Keime (Nase, Wunden, Harn,…) und Zustand des Patienten besondere Sicherheitsvorkehrungen und Hygienevorschriften zu be-achten.

Lassen sich die MRE-infizierten Körperregionen gut abdecken und ist der Patient auch sonst in einer guten körperlichen Verfassung, so sind in den häufigsten Fällen bis auf strenge Desinfektionsregelungen und dem Ausschluss aus der Lehrküche sowie evtl. der Buffetverpflegung keine besonderen Vorkehrungen zu treffen. Ist der Keim allerdings beispielsweise im Nasen-Rachen-Bereich angesiedelt und der Patient leidet unter chronischem oder akutem Husten bzw. Erkältungssymptomen, so muss er aufgrund des hohen Verbreitungsrisikos auf seinem Einzelzimmer bleiben und darf dieses nur für Spaziergänge an der frischen Luft verlassen. In diesem Fall sollte – insbesondere wenn die Symptome erwartungsgemäß mehr als nur wenige Tage andauern – geklärt werden, ob die Reha-Maßnahme unter den genannten Bedingungen für den Patienten überhaupt zielbringend gestaltet werden kann, oder ob der Aufent-halt evtl. zu einem anderen Zeitpunkt nachgeholt werden sollte.

Es geht wiederum aus einer Empfehlung der Kommission für Krankenhaushygiene und Infek-tionsprävention (KRINKO) beim Robert Koch-Institut hervor, dass jede Institution, die Personen medizinisch oder pflegerisch, ambulant oder stationär betreut, grundsätzlich in der Lage sein muss, Menschen zu versorgen, die mit multiresistenten Erregern besiedelt oder infiziert sind. Eine Ablehnung der Übernahme ist mit Verweis auf den positiven MRE-Status nicht ge-rechtfertigt.

Die Sorge von Reha-Mitarbeiter/innen, durch den Kontakt zu MRE-Patienten selbst zu erkranken, kann durch die Erkenntnisse aus dem Vortrag von Dr. Eichhorn gedämpft werden. Wichtig sind neben den Hygiene- und Desinfektionsmaßnahmen aber vor allem die Kommu-nikation untereinander und die Weitergabe von Informationen, die Handlungssicherheit gewährleisten.

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