19.03.2021

Das erste Mal in meinem Leben...

Offener Brief der Geschäftsführung

LIEBE POLITIKERINNEN, LIEBE POLITIKER,

es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich zu politischen Geschehnissen äußere und mir nun doch irgendwie Luft verschaffen muss. Vorab darf ich versichern, dass es mir wirklich fern liegt Menschen zu beschuldigen oder gar zu beleidigen.

MEINE GEDANKEN:

Die erste Welle der Pandemie haben wir in Deutschland alle gemeinsam sehr gut in den Griff bekommen. Dafür gab es sogar Anerkennung durch das Ausland. Kaum ein Mensch in unserer Zeitepoche, hat eine Pandemie in einem solchen Umfang mit deren Folgen für unser Land und Auswirkungen für die gesamte Welt je erlebt. Dass in so einer Situation auch Fehler gemacht werden, ist selbstredend. Dafür gab es in der Bevölkerung viel Toleranz und Akzeptanz.

Den Sommer haben wir sorglos verschlafen und uns nicht ernsthaft auf die nächste Welle vorbereitet. Weder für Schulen noch für die Wirtschaft oder für das Gesundheitswesen hat es ernstzunehmende Konzepte oder Vorbereitungen gegeben.

Der zweiten Welle wurde mit anfänglich zögerlichem Handeln und vielen Diskussionen begegnet. Ich habe den Appell an die Menschen in Deutschland nach der Ankündigung des harten Lockdowns noch genau im Ohr:

„ES KOMMT AUF JEDEN EINZELNEN AN.“

„JEDES MENSCHENLEBEN ZÄHLT.“

„JEDER EINZELNE STEHT IN DER VERANTWORTUNG.“

Ich glaube, dass dieser Appell den Menschen, die politisch in Deutschland Verantwortung übernommen haben, verloren gegangen ist, ihn nicht verinnerlicht haben oder einfach ihr Durchhaltevermögen verloren haben. Die einzige Fluchttür aus der Pandemie ist eine außerordentlich schnelle und erfolgreiche Impfkampagne. Diese Tür ist noch nicht mal halbherzig geöffnet worden. Das was wir in Deutschland daraus gemacht haben, ist nur sehr schwer zu ertragen.

Wir haben hier in Deutschland unglaublich viele kompetente Ärzte und medizinische Fachkräfte, die alle mit einer Injektionsnadel umgehen können und jährlich Millionen von Menschen impfen. Warum wir dennoch parallele Strukturen geschaffen haben, ist sehr schwer zu verstehen. Die strukturellen Voraussetzungen des Gesundheitswesens in Deutschland sind mehr als sehr gut. Nur nutzen wir sie nicht ernsthaft zur Pandemiebekämpfung.

Die Verfügbarkeit der zugelassenen Impfstoffe ist eine weitere Frage auf der langen Liste der ungeklärten Fragen, die sich im Zuge der Pandemiebekämpfung immer wieder stellt und sich nicht wirklich erklären lässt. Andere Länder haben es doch auch geschafft, rechtzeitig ausreichend Impfdosen zu beschaffen. Warum ist es uns nicht gelungen? Ich hatte es so verstanden, dass „jedes Menschenleben zählt“.

Das was die Menschen zurzeit in Deutschland erleben und ertragen müssen, ist Ihre Handschrift. Sie sind nicht verantwortlich für die Pandemie, aber Sie tragen die Verantwortung für einen möglichst geordneten Ausweg aus der Pandemie. Die Menschen haben Ihnen ihr Vertrauen geschenkt und Sie zu ihren Stellvertretern gewählt, um ihre Interessen zu vertreten. Unabhängig welche politische Farbe Sie in Ihren Herzen tragen, ist genau jetzt Zusammenarbeit gefordert. Solange Sie sich gegenseitig beschuldigen „wer was unterlassen hat“ und solange Sie in einer Pandemie Wahlkampf betreiben, werden wir in der Pandemiebekämpfung keinen Erfolg haben oder es wird unzumutbar lange dauern, bis wir erfolgreich sind. 

Viele Menschen sind verzweifelt, hilflos und fühlen sich allein gelassen. Ich weiß, dass es schwierig ist allen Ängsten und Sorgen zu begegnen oder den Menschen diese gar zu nehmen. Das erwartet auch keiner von Ihnen. Aber wir benötigen Menschen in der Politik, die jetzt vorbildlich miteinander umgehen und konstruktiv zusammenarbeiten. Ihr Verantwortungsgefühl ist heute mehr gefragt als jemals zuvor.

Ich möchte nicht alles schlechtreden. Es ist auch viel Gutes auf dem Weg gebracht worden. Nur das, was in den letzten Wochen hier in Deutschland passiert ist, hat mich veranlasst diese Zeilen zu schreiben, um meinem Herzen ein wenig Luft zu machen. Ich werde in keinem Bundes- oder Landtag gehört und habe deshalb diesen Weg gewählt, um meinen Appell an die Politik zu richten.

Ich bedanke mich bei allen Menschen, die sich die Zeit genommen haben, um diese Zeilen zu lesen.

Mein Name ist Raymond Grant, ich bin Geschäftsführender Gesellschafter der Hamm-Kliniken GmbH & Co. KG und der Netzwerk für Gesundheit Main-Kinzig GmbH in Bad Soden-Salmünster. Ich bin 60 Jahre alt, parteilos und arbeite nun nahezu mein gesamtes Arbeitsleben im Gesundheitswesen.

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